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Peter Wilhelm Jansen (* 11. November 1930 in Elsdorf, Rheinland[1]; † 15. November 2008 in Gernsbach) war ein promovierter Germanist und Journalist und zĂ€hlte zu den fĂŒhrenden deutschen Filmpublizisten. Jansen unterstĂŒtzte in Funk-, Fernseh- und Druckmedien den Neuen Deutschen Film und den internationalen Autorenfilm.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Biografie

Jansen war der Sohn eines Schneiders. Er machte nach dem Abitur in Andernach zunĂ€chst eine Ausbildung zum VerlagsbuchhĂ€ndler bei Kiepenheuer und Witsch in Köln. Daran schloss er ein Studium der Germanistik, Geschichte und Soziologie an den UniversitĂ€ten Köln und Marburg an. 1958 wurde er an der UniversitĂ€t in Freiburg im Breisgau mit einer germanistischen Studie ĂŒber Joseph Roth promoviert. Jansen schlug danach die journalistische Laufbahn ein, er war in den Redaktionen von Der Mittag in DĂŒsseldorf, beim WDR in Köln und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) tĂ€tig. Ab 1966 arbeitete Jansen beim SĂŒdwestfunk (SWF) in Baden-Baden, zuletzt als Leiter der Hauptabteilung Kultur/Hörfunk mit dem Schwerpunkt „Internationaler Film“ bis 1995. Seit Ende der 1970er-Jahre war er nahezu zehn Jahre lang als Filmkritiker beim ZDF-Kulturmagazin aspekte tĂ€tig, wo er alle zwei Wochen einen Film seiner Wahl vorstellen konnte. Daneben schrieb Jansen SachbĂŒcher, Kritiken, Essays und Reisefeuilletons. Jansen war ein hĂ€ufiger Juror bei Filmfestivals und ein geschĂ€tzter GesprĂ€chspartner und Freund der Filmemacher und Autorenfilmer. Zu seinen besten Freunden zĂ€hlten unter anderem Rainer Werner Fassbinder und Edgar Reitz.[2] Jansen galt als ein Exponent der deutschen Filmkritik, der sich in den 1970er- und 1980er-Jahren - wĂ€hrend der Hochphase des europĂ€ischen Autorenfilms und von New Hollywood - fĂŒr den neuen Film einsetzte.[3] Die „Emphase“ und das „Ethos“[4] des freien Filmemachens wollte er dem grĂ¶ĂŸtmöglichen Publikum nahebringen und erreichte dies lange Zeit.

Bearbeiten Reihe Film

Gemeinsam mit dem frĂŒheren Filmkritiker der Frankfurter Rundschau, Wolfram SchĂŒtte, gab er die unter Filmkennern und -liebhabern geachtete blaue „Reihe Film“ beim Hanser Verlag in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Kinemathek heraus. Eine solch umfassende filmografische Reihe war bis dahin nur in Frankreich erschienen. „Jeder Band sollte eine kommentierte Filmografie enthalten, ein Interview oder einen Aufsatz und auf jeden Fall einen Datenteil, so sorgfĂ€ltig und ausfĂŒhrlich wie möglich.“[5] Vor einer Publikation sahen sich die Autoren alle Filme des jeweiligen Regisseurs an. Als Folge dieser Film-Schauen konnte das Berliner Kino Arsenal Retrospektiven anbieten. Es erschienen von 1974 bis 1992 insgesamt 45 BĂ€nde. Michael KrĂŒger, der literarische Leiter und spĂ€tere GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Hanser Verlags, setzte die einzigartige Reihe ab, da sie eine halbe Million DM Verlust erbracht hatte und sie nicht mehr gegenfinanzieren wollte.

Bearbeiten Jansens Kino

Jansens zweites Opus Magnum war die Edition der Rundfunkbesprechungen seiner 100 Lieblingsfilme als Audio-CDs, die er als reprĂ€sentativ fĂŒr die Filmgeschichte bis etwa 1980 ansah. Bei den Darstellungen von «Jansens Kino» wurde eine „analytische und sprachliche Brillanz“ festgestellt und die Edition als „neues Genre des Hörbuchs oder besser Hörfilms“ gewĂŒrdigt.[6] SchĂŒtte beschrieb Jansens Retrospektive des Mediums Film als eine sensible Montage von Filmmusiken, Synchron- und Original-Dialogen, Interviews „in einer fesselnden Dramaturgie“, die fĂŒr ihn „mehr [war] als jede Filmkritik; das war eine originelle kreative Kunst der Übersetzung von einem Medium in ein anderes.“[7] Thomas Rothschild ergĂ€nzte in formaler Hinsicht: „Er fĂŒgte Informationen ĂŒber das historische Umfeld und ĂŒber Produktionsbedingungen sowie ĂŒber die Rezeption der Filme ein. Er zitierte AbsichtserklĂ€rungen und theoretische Positionen der Macher. [...] Dabei schaute Jansen ĂŒber die Grenzen des Films hinaus, zu Literatur und Musik, bildender Kunst und Philosophie.“[8]

Jansens Passion und Hingabe fĂŒr die Filmkunst Ă€ußerte sich neben einer außerordentlich hohen RezeptivitĂ€t und ProduktivitĂ€t auch in seinen WortbeitrĂ€gen im Rundfunk. Es wurde ihm gern zugehört, man schĂ€tzte den „warmen Ton seiner Stimme“ [9] und hielt ihn fĂŒr „die deutsche Radiostimme schlechthin“ in Sachen Film.[10]

Die heute ĂŒblich gewordene unpolitische Betrachtung von Filmen bedauerte er als einen „Niedergang der Filmkritik.“ Auch in handwerklicher Hinsicht sei dies zu beobachten: „Mich stört seit langem, dass sich viele Filmkritiken lesen wie Buchkritiken. Montage spielt keine Rolle mehr, KamerafĂŒhrung auch nicht.“ Zudem lĂ€sen sich Filmkritiken immer mehr wie von VolontĂ€ren geschrieben.[5]

Peter W. Jansen lebte seit vielen Jahren im Gernsbacher Stadtteil Staufenberg bei Baden-Baden und verstarb nach langer, schwerer Krankheit.

Bearbeiten Werke (Auswahl)

  • Weltbezug und ErzĂ€hlhaltung. Eine Untersuchung zum ErzĂ€hlwerk und zur dichterischen Existenz Joseph Roths; Dissertation; Freiburg im Breisgau, Philosophische FakultĂ€t, 1958
  • Film. 100 Jahre Kino; in: Brockhaus-EnzyklopĂ€die, Leipzig, Mannheim, 1995 (1996); S. 133–137. (Essay)
  • Filmkritik in Radio und Fernsehen; in: Filmkritik, 1998; S. 190–195.
  • Jansens Kino. Eine Geschichte des Kinos in 100 Filmen. Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2003 (Radio-Essays)
    Hörfunkreihe des SWF bzw. SWR: Jansens Kino in 100 Folgen von 1995 bis 2002 als Hörbuch auf 50 CDs.[6]
  • OstwĂ€rts. Hinterm Horizont geht’s weiter. Die Filme des Volker Koepp. In: apropos: Film 2004; Red.: Ralf Schenk, Hrsg. von der DEFA-Stiftung, Berlin 2004, ISBN 3-929470-29-2; S. 110–128.

Bearbeiten Filmografie (Auswahl)

  • LebenslĂ€ufe: Rainer Werner Fassbinder. Fernsehdokumentarfilm, BR Deutschland 1977, Regie: Peter W. Jansen, Produktion: SĂŒdwestfunk, Erstausstrahlung: 18. MĂ€rz 1978
  • Das Kino der Perestroika. Ein Bericht. Fernseh-Feature, 1987, 30 Min., von Peter W. Jansen und Michael Stefanowski, Produktion: ZDF, aspekte
  • Das allmĂ€hliche Verschwinden des Arbeiters. Die Welt der Arbeit im Film. Studiosendung, 43 Min., von und mit Peter W. Jansen. GĂ€ste: Christian Ziewer, Reinhard Jung, Produktion: SWF, Erstausstrahlung: 1988
  • Parlez-moi d'amour: französisches Kino der 30er Jahre. Fernseh-Feature, 1988, 43 Min., Buch: Peter W. Jansen und Christa Maerker, Produktion: SWF
  • Wim Wenders im GesprĂ€ch mit Peter W. Jansen. GesprĂ€ch, 1989, 40 Min., Produktion: SWF

Bearbeiten Mitgliedschaften

Jansen war Mitglied in vielen FörderausschĂŒssen und Jurys, die er jedoch wieder verließ, wenn seine VorschlĂ€ge nicht erwĂŒnscht waren. Fragen der Ästhetik wollte er nicht mit einer demokratischen Abstimmung lösen, sondern mit einer konsensuellen Einigung unter Fachleuten.[5]

Bearbeiten Weblinks

Audiodateien

BeitrÀge von Jansen

Bearbeiten Belege

  1. ↑ Quelle der Daten: Autorinnen und Autoren in Baden-WĂŒrttemberg
  2. ↑ Peter W. Jansen: „Nach Hause. Edgar Reitz wird 70 Jahre alt“, NZZ, 1. November 2002
  3. ↑ sus: „Licht im Dunkel“, SĂŒddeutsche Zeitung, 17. November 2008
  4. ↑ Ekkehard Knörer: „Ein Kind der heroischen Ära“, die tageszeitung, 18. November 2008
  5. ↑ a b c „Jansens Kino. WerkstattgesprĂ€ch mit Peter W. Jansen“, film-dienst, August 2008, Nr. 19
  6. ↑ a b Besprechungen von „Jansens Kino“, film-zeit.de, 2005, Ausschnitte
  7. ↑ Wolfram SchĂŒtte: „Zum Tode von Peter W. Jansen“, Titel - Kulturmagazin, 17. November 2008
  8. ↑ Thomas Rothschild: „Peter W. Jansen (1930-2008)“, Freitag, 20. November 2008, Nr. 47
  9. ↑ Daniel Kothenschulte: „Warmer Ton“, Frankfurter Rundschau, 17. November 2008
  10. ↑ Jan Schulz-Ojala: „Peter W. Jansen. Sein Kino“, Tagesspiegel, 17. November 2008
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